Classic-Car-Revue - Karosserieformen

 

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Karosserieformen

Spätestens seit der Volkswagenkonzern sein neues Luxusmodell "Phaeton" taufte, - der aber nichts anderes als ein Limousine ist, - ist die Verwirrung über die Verwendung von Karosseriebezeichnungen komplett. Wer soll sich da noch auskennen: die Karosserien der klassischen Automobile wurden klangvoll benannt, wie z.B.: Landaulet, Conduite-Landaulet, Faux Cabriolet, Braquet, Sedan oder Skiff.  Es gibt eine fast unüberschaubare Fülle an Begriffen, und wir wollen versuchen, nach und nach etwas Licht ins Dunkel zu bringen.

 

BOAT-TAILED-SPEEDSTER

siehe SKIFF

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BOOTSFORM

siehe SKIFF

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FLEXIBLE KAROSSERIE

siehe WEYMANN - Karosserie

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SKIFF

Die Wort Skiff kommt aus dem Bootsbau und bezeichnet im Deutschen ein Rennruderboot. Im Angelsächsischen Sprachgebrauch werden auch kleine Boote und Jollen so genannt. Der Ursprung ist griechisch: scapho.

 

Entwurfszeichnung eines Skiff nach klassischen Vorlagen

 

Im Automobilbau bezeichnete man schmale Tourenwagen, die Elemente des Bootsbaus aufnahmen, als Skiff. Meistens ist das Heck als spitz zusammenlaufendes Bootsheck geformt, oftmals in Edelholz ausgeführt. In manchen Fällen wurde sogar die ganze Karosserie mit Edelhölzern "beplankt". Skiffs wurden hauptsächlich zwischen 1910 und 1925 gebaut. In Amerika wurden Skiffs als Boat-Tailed Speedster bezeichnet.

 

Ballot 2LT Labourdette Skiff - Tourer  Copyright/Foto: Heiko Feld/feldfilm Ballot 2LT Labourdette Skiff - Tourer  Copyright/Foto: Heiko Feld/feldfilm

Der Ballot 2LT aus dem Jahre 1925: hier erkennt man gut das spitz zusammenlaufende Heck
mit Edelholzbeplankung, dass stark an ein Boot erinnert.

 

Mitbegründer der damals als sehr progressiv und schick angesehen Bootsform war der Deutsche Ernst Neumann-Neander, ein genialer Graphiker, Konstrukteur und Techniker.
Ausschlaggebend für diese neue Karosserieform soll die Vorliebe Kaiser Wilhelms für die Kriegsmarine und der damalige Zeitgeist gewesen sein. Völlig abwegig ist das nicht.

 

Unten: auch das Heck des Bugatti Typ 30 aus dem Jahr 1923 erinnert an ein Bootsheck,
wenn es auch nicht spitz zusammenläuft.

Bugatti Typ 30  Copyright/Foto: Heiko Feld/feldfilm Bugatti Typ 30  Copyright/Foto: Heiko Feld/feldfilm


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WEYMANN - KAROSSERIE

In den 20 Jahren des letzten Jahrhunderts waren die Straßenverhältnisse gelinde gesagt ziemlich schlecht. Die Autobahn und glattflächiger Asphalt waren noch nicht erfunden und so waren die meisten Landstrassen und Chausseen entweder Schotterpisten oder mit Steinen gepflastert. Das führte auf der einen Seite zu vielen Reifenpannen und andererseits auch oftmals zu Rissen und Brüchen in der Karosserie der damaligen Automobile Die Federungen und Stoßdämpfersysteme waren seinerzeit noch nicht ausreichend im Stande, die Stöße der Strasse wirkungsvoll abzumildern.

 

Reifenpanne 1927

Schlechte Strassenverhältnisse sorgten lange Zeit nicht nur für Reifenpannen, sondern auch für Brüche und Risse in der Karosserie - Abhilfe schaffte die "Weymann - Karosserie".

 

Eine Lösung hierfür ersann Charles T. Weymann, der seine "flexible Karosserie" erstmals auf der Pariser Automobilausstellung des Jahres 1921 ausstellte.
Das Prinzip der Weymann - Karosserie war einfach und doch genial.
Wenn eine mit dem Fahrzeugrahmen fest verbundene Stahl- oder Aluminiumkarosserie durch Stöße und Schwingungen zu Brüchen und Rissen neigt, war es nötig, einen Karosserieaufbau zu entwickeln, der nur wenige Verbindungspunkte mit dem Rahmen hatte und gleichzeitig flexibel genug war, um Stöße der Strasse wegzustecken. Weymann erkannte, dass Stahl oder Aluminium hierfür nicht die geeigneten Materialien waren. Also ersann er ein Holzgerippe, da Holz besser "arbeitet". Die einzelnen Holzteile der Karosserie stießen aber nicht aneinander, sie wurden mit Gummileisten belegt und ein kleines Luftpolster sorgte zwischen den Latten dafür, dass der Aufbau auch harte Stöße ausgleichen konnte und den Bewegungen des Rahmens folgen konnte, ohne zu Klappern oder zu Knarzen. Dünne Verbindungsstücke aus Metall hielten die ganze Konstruktion zusammen.
Die Zwischenräume wurden mit einem isolierenden Material gefüllt. Innenseitig wurde das Holzgerippe mit Sperrholzplatten beplankt und mit Stoff oder Kunstleder überzogen. Die Fahrzeugaußenseite wurde mit lackiertem Kunstleder überzogen.

Die Weymann - Karosserie hatte abgesehen von ihrer flexiblen Struktur, aber noch weitere Vorzüge. Aufgrund des Materials war der Aufbau sehr leicht und gut gedämmt und relativ leicht herzustellen, weshalb viele kleinere Handwerksbetriebe und Karosseriefirmen die Weymann - Karosserie in Lizenz bauten. Nur die gleichmäßige Auspolsterung der Außenseiten des Fahrzeugs war ein arbeitsintensives Unterfangen. Das einzige Problem waren oftmals die Türen und die Fenster, deren Passungen am Aufbau nicht immer ganz dicht zu bekommen waren.

Bugatti Typ 44 mit Weymann - Karosserie  Foto/Copyright Heiko Feld/feldfilm Bugatti Typ 44 mit Weymann - Karosserie  Foto/Copyright Heiko Feld/feldfilm

Weymann - Karosserie am Beispiel eines Bugatti Typ 44, gut zu erkennen am Kunstlederüberzug,
nur Kotflügel und Motorhaube waren lackiert.

 

Viele Firmen in Italien, Deutschland, Frankreich, Belgien, Östereich und vor allem in den USA erwarben die Lizenz zum Bau ihrer Karosserien nach dem Weymann - Prinzip.
Gegen 1935 war aber das Ende der Weymann - Karosserie gekommen. Die Federungen und die Stoßdämpfer waren mittlerweile besser geworden, die Strassen auch. Da der Bau einer Weymann - Karosserie aber durch das teure Kunstleder und die vielen Arbeitsstunden nicht billiger war, als eine Stahlkarosserie, siegte am Ende der Stahl. In den knapp 25 Jahren ihrer Verwendung war Charles T. Weymann durch die weltweite Lizenzierung ein reicher Mann geworden.

Äußerlich sind Weymann - Karosserien sehr leicht zu erkennen: der größte Teil des Wagens ist mit Kunstleder bespannt. Eine Hochglanzlackierung findet man nur an den Kotflügeln und der Motorhaube.

 

 

 

 

 

Rechtlicher Hinweis