Classic-Car-Revue - Designvergleich MG B Berlinette von Jacques Couen und Serien MG C GT

 

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Designvergleich
MG B Berlinette von Jacques Coune
und Serien MG C GT

 

Mit freundlicher Genehmigung von N. Lecompte, Belgien ©

Italienische Eleganz: MG B Berlinette von J. Coune 1964

Mit freundlicher Genehmigung von J. Müller-Neuhaus, Deutschland ©

Britisches Understatement: Serien MG C GT von 1969


Unterschiedlicher könnten die Entwürfe nicht sein, wenn man die MG B Berlinette des belgischen Karosseriemeisters Jacques Coune - das er 1964 auf Eigeninitiative in einer Kleinserie von 56 Stück baute - mit dem Serien MG C Coupé von 1969 miteinander vergleicht. (Das serienmäßige MG C Coupé unterscheidet sich äusserlich nur durch den "Höcker" auf der Motorhaube vom MG B Coupé)

Monsieur Coune hatte 1962 die Lücke bei Erscheinen des MG B, - dass es nur als Cabriolet gab, - erkannt. Er machte sich sofort daran anhand von Verkaufsprospekten ein Coupé zu zeichnen, kaufte kurzerhand ein MG B Cabriolet und verwandelte es in über 1000 Arbeitsstunden in ein wunderschönes Coupé. Seine Mühen wurden auf dem Brüssler Autosalon belohnt, innerhalb kürzester Zeit wurden bei ihm 55 Bestellungen für die hinreissende MG B Berlinette Mehr Info aufgegeben.

Coune war damals vom italienischen Design begeistert und hatte einige Karosseriespezialisten aus Norditalien in seiner Firma beschäftigt. Da verwundert es nicht, dass sein Entwurf des Coupés den in Italien gezeichneten Sportwagen jener Zeit in nichts nachstand.
Das BMC - Management befand nach intensiver Prüfung allerdings, dass der belgische Wagen für einen britischen Sportwagen, vom Styling her gesehen, zu italienisch war. So wurde bei BMC an einem eigenen Entwurf gearbeitet und auch dieses Ergebnis konnte sich sehen lassen. Um es kurz zu machen: hier tritt italienische Rasse gegen britisches Understatement an.

Mit freundlicher Genehmigung von N. Lecompte, Belgien ©

Mit freundlicher Genehmigung von J. Müller-Neuhaus, Deutschland ©

 

Hier die wichtigsten Änderungen, die für die belgische Berlinette nötig waren:

 

- die Front- und Heckkotflügel
erhielten leicht ausgestellte Radkästen.

- die Frontscheinwerfer
wurden weiter nach hinten gesetzt und mit einer chromumrandeten
Plexiglasscheibe abgedeckt.

- die Frontscheibe
wurde enfernt und durch eine größere Panoramascheibe ersetzt.
Erst dadurch gelang die gute Linienführung. Interessant ist hier, dass Coune
als Frontscheibe die Heckscheibe des Renault 8 verwendete.

- die Seitenscheiben
erhielten neue rahmenlose Dreiecksfenster, die nicht ausstellbar waren.

-die Heckscheibe
ebenfalls neu, hier verwendete Coune die Frontscheibe vom Renault 8.

- das Heck
erhielt eine sportlich Abrisskante nach Manier der Ferrari 275 GTB.

- der Kofferraumdeckel
musste natürlich auch komplett neu gestaltet werden.

- die runden Rücklichter
passen sehr schön zum Abrisskantenheck.
Verwendung fanden die Rücklichter des Simca 1000.

- die Zierleisten
des Originals entfielen und wurden durch je eine Zierleiste unterhalb der Tür
ersetzt, was die Linienführung dezent, aber gut hervorhebt.

 

Mit freundlicher Genehmigung von J. Müller-Neuhaus, Deutschland © Mit freundlicher Genehmigung von N. Lecompte, Belgien ©

 

Mit freundlicher Genehmigung von N. Lecompte, Belgien ©

 

Mit freundlicher Genehmigung von J. Müller-Neuhaus, Deutschland ©

Insgesamt wirkt die Berlinette von Coune rassiger und flacher. Der dynamische Auftritt fällt schon im Stand auf. Das erreichte Coune durch einige gut durchdachte Änderungen: Die Dachlinie konnte durch den Einsatz des Abrißkantenhecks flacher auslaufen, die Seitenscheiben sind insgesamt niedriger gehalten, die Zierleiste wanderte nach unten, die Plexiglashauben der Scheinwerfer strecken die Seitenlinie zusätzlich. Das bedeutete natürlich auch einige Nachteile in der Fahrpraxis. Man sitzt wesentlich beengter, auf der hinteren Sitzbank kann man weder von Fußraum, noch von Sitzhöhe sprechen. Der Kofferraum ist kleiner und bietet nur schlechte Sicht nach hinten. Aber wer mag schon in der Heckscheibe verschwindende VW-Käfer ansehen. :-)

Der Serien-GT präsentiert sich zwar "biederer" als der belgische Wagen, aber es fehlt ihm nicht an Ausstrahlung. Dezent, vornehm, elegant, aber auch "knackiger" könnte man die Linienführung des Briten bezeichenen. Durch die durchgehende Zierleiste, die sehr mittig auf der Seite angeordnet ist, wirkt der Wagen höher und kompakter. Die Anpassung der Seitenscheibenhöhe an die Frontscheibe ist beim Briten auf jeden Fall besser gelungen, als bei der belgischen Berlinette. Dies ist auch optisch der auffälligste Mangel der Coune-Version. Die große Heckklappe und das bessere Raumangebot beim Fahren ist im Alltagsbetrieb sicher nicht zu verachten.

Mit freundlicher Genehmigung von N. Lecompte, Belgien ©

Hier gut zu sehen, die ungenügende Höhenanpassung der Seitenscheiben an die Frontscheibe.

Mit freundlicher Genehmigung von J. Müller-Neuhaus, Deutschland ©

Die mittig angebrachte Zierleiste lässt den Serien-GT kürzer und kanckiger erscheinen.

Mit freundlicher Genehmigung von J. Müller-Neuhaus, Deutschland ©

 

Mit freundlicher Genehmigung von N. Lecompte, Belgien ©

 

Fazit: es ist schwer ein abschließendes Urteil abzugeben.
Über die Vor- und Nachteile kleiner Details lässt sich natürlich streiten, aber es bleibt dem persönlichen Geschmack des Betrachters überlassen, welcher Wagen der schönere ist.
Also haben wir kurzerhand eine Umfarge unter den Lesern von CLASSIC-CAR-REVUE durchgeführt, mit einem eindeutigen Ergebnis. Unsere Frage lautete: Welches Design gefällt Ihnen besser:

 

MG B von Jacques Coune (56 von 68 Lesern) = 82,35%

                                       

MG C GT (12 von 68 Lesern) = 17,65%

                                       

 

Allerdings ist man später immer klüger - wenn man die Uhren zurückdrehen könnte, hätte man dem BMC-Managment dazu raten müssen beide Fahrzeuge zu bauen - den Serien-GT so schön wie er ist, und die belgische Berlinette vielleicht als Sondermodell "Mille Miglia". - Potential zu einem Verkaufserfolg hätte sie sicherlich gehabt.

  

 

© Classic-Car-Revue / Heiko Feld

Wir bedanken uns bei folgenden Personen, die uns mit Informationen
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N. Lecompte, Belgien
J. M. Müller-Neuhaus, Deutschland

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