Auf dem Autosalon in Brüssel im Januar 1963 präsentierte
der belgische Karosseriebauer Jacques Coune sein Amazon
Cabriolet. Insgesamt baute er in den Jahren 1963/64 vier oder fünf Volvo 122S zu
viersitzigen Cabrios um, von denen eins in Belgien und eins in Deutschland überlebt
haben. Übrigens wusste Volvo von Coune's Cabrioletplänen und versorgte ihn ohne
Einwände mit den Fahrzeugen. 1963 war Coune mit seinen Cabrios sogar im Jahreskatalog der
schweizerischen Auto-Revue vertreten - mitten unter den Serienmodellen von Volvo.
In einem Interview, dass wir mit Jacques Coune führten,
erzählte er uns, wie es zur Produktion der Amazon Cabriolets und Roadster kam. Nachdem er
schon einige Einzelstücke (Peugeot, BMW) gebaut hatte, um unter Beweis zu stellen, wie
gut seine Firma und seine Mitarbeiter waren, machte er sich auf die Suche nach einem neuen
Objekt. Wichtig war ihm dabei, dass es ein am Markt erfolgreiches Fahrzeug sein musste -
und das war der Amazon von Volvo. Gut war natürlich, dass Volvo vom Amazon nur die zwei-
und viertürigen Limousinen produzierte. Also machte er sich daran für einen Freund einen
zweisitzigen Roadster zu bauen (siehe unten). Danach baute er noch besagte vier oder fünf
Fahrzeuge als viersitzige Cabriolets um, da er davon überzeugt war, sie auch verkaufen zu
können. Zu einer größeren Serie fehlten ihm wahrscheinlich die Mittel.
Der Amazon 122S war eine gute Basis für die
Cabrioverwandlung, er leistete mit seinen 2 S.U. Flachstromvergasern 86 PS (Din) bei 5000
U/min und war robust gefertigt. Aber dennoch war der Aufwand beträchtlich: Zunächst
wurden die kompletten Innenausstattungen und andere wichtige Teile ausgebaut.
Anschließend wurden die Karosserien in vielen Bereichen verstärkt, so z.B. zweifach bei
der Bodengruppe, an der Windschutzscheibe und den Schwellern. Das hatte zur Folge, dass
die Türen unten gekürzt werden mussten. Die Kotflügel wurden mit der Karosserie
verschweißt (normalerweise sind sie verschraubt). Erst dann wurden die Dächer mit allen
Pfosten abgetrennt. Und ein gutes Cabrio braucht natürlich ein perfekt sitzendes, dichtes
Stoffverdeck, was Coune und seine Mitarbeiter sehr gut lösten. Versteht
sich von selbst, dass die serienmäßigen Seitenscheiben dann nicht mehr passten, also
wurden neue angefertigt, die sich sogar komplett runterkurbeln liessen.
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Nach unseren Recherchen die beiden
einzigen noch existierenden viersitzigen Volvo Amazon Cabriolets von Jacques Coune. Links
das bildschöne Cabrio von K. Mulier in Belgien, rechts das unrestaurierte Cabrio von
Peter Ahrens, Scan-Cars in Hamburg, Deutschland. |
Von den Arbeiten am Chrom abgesehen, benötigten Coune
und seine Mannen ca. 450 Arbeitsstunden pro Cabrioumbau - in Handarbeit natürlich. Die
Amazonen wurden alle wahrscheinlich in weiß neu lackiert, und erhielten eine
Lederausstattung in schwarz oder bordeaux. Nach dem Umbau war jedes Fahrzeug ca. 85
Kilogramm schwerer, an der Motorisierung wurde nichts geändert.
Wer diesen schmucken Wagen sein eigen nennen wollte, musste ordentlich in die Tasche
greifen. Knapp 50% des damaligen Neuwagenpreises (135.000 BF) wollten noch drauf gelegt
werden.
Ein viersitziges Cabriolet soll während einer Restaurierung ausgebrannt
sein. Über den Verbleib des vierten und evtl. fünften Fahrzeugs ist leider nichts
bekannt - also Augen auf beim durchstöbern von Scheunen.
Coune Amazon Roadster
Nicht unerwähnt darf der zweisitziger Roadster auf Amazonbasis bleiben, von denen Coune
ein Einzelstück für einen Freund produzierte. Auf jeden Fall sah das Fahrzeug traumhaft
aus, - lackiert in Champagner-Metallic mit einer Lederinnenausstattung in Wagenfarbe und
einem Nardi-Holzlenkrad. Der Wagen soll leider bei einem Unfall auf der Strecke geblieben
sein.
Coune Amazon Cabriolet Replika

Das Amazon Cabriolet, das während einer Restauration ausbrannte, diente
einem Berliner Karosseriebauer als Grundlage aus einem zweitürigen P 121 von 1970 mit
B20A Maschine und Lederausstattung aus der Schweiz eine hervorragende Replika zu zaubern.
Der Wagen ist heute im Besitz des belgischen Volvohändlers Guy Vermant, der so freundlich
war uns einige Bilder zur Verfügung zu stellen.
© Classic-Car-Revue / Heiko Feld
Wir bedanken uns bei folgenden Personen, die uns mit
Informationen
und Bildern bei der Erstellung dieser Seite maßgeblich geholfen haben:
N. Lecompte, Belgien
G. Vermant, Belgien
K. Mulier, Belgien
P. Ahrends, Scan-Cars, Deutschland
M. Peterka, Deutschland
Rechtlicher Hinweis |