LORELEY / LEY (D) 1906 - 1933
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Wie viele andere Fabrikanten der Jahrhundertwende sieht auch Alfred
Ley seine Chance in der Aufnahme der Automobilproduktion.
Doch der Reihe nach: Als Schlosser trat sein Vater Rudolf Ley 1859 in die
von Eduard Schmidt, drei Jahre zuvor, gegründete Mechanische Werkstatt in Arnstadt/Thüringen
ein.
9 Jahre später, am 1.1.1868 übernimmt er den Betrieb. |
| Zunächst wird mit Fahrrädern gehandelt. Desweiteren werden kleinere
Nähmaschinen, Elektromaschinen und eine durch internationale Patente geschützte
"Schuhpflock-Maschine" produziert. Nach dem Tod von Rudolf Ley führen seine
vier Söhne die Firma gemeinsam als Offene Handelsgesellschaft weiter. Alfred, der
Maschinenbau- und Elektrotechnikingenieur, übernimmt die Gesamtleitung des Betriebs, Hugo
Ley leitet die elektrotechnische Abteilung, Robert die Installationsabteilung und Hermann
übernimmt die kaufmännische Leitung. 1903 bis 1904 wird in Arnstadt eine neue Fabrik in
der Wagnergasse gebaut, die heute noch steht. Das ist auch der Zeitpunkt, ab dem sich
Rudolf Ley's Sohn Alfred mit der Entwicklung von Automobilen beschäftigt.
Bei Daimler hatte man 1901 einen 35 PS starken Vierzylinder Wagen
mit Kettenantrieb hergestellt, der als erstes Fahrzeug "Mercedes"
genannt wurde und Geschichte schreiben sollte. Vor allem die gute Straßenlage und die
verbesserte Lenkbarkeit machten den ersten "Mercedes" der Welt der Konkurrenz
weit überlegen. Mit einer Durchschnittgeschwindigkeit von 51km/h pro Stunde und einer
Spitze von 86 km/h errang Jellinek den Sieg beim Autorennen von Nizza.
Eine neue Ära war angebrochen und die Begeisterung für das Automobil wuchs rasant.
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| Doch der Markt für große und leistungsfähige
Luxusautomobile war damals noch sehr begrenzt. Ab ca. 1905 waren wieder volkstümlichere,
kleinere Wagen gefragt und der Markt wuchs rasch. Diese Entwicklung hatte Alfred Ley
vorhergesehen und an seinem ersten Automobil gearbeitet. 1905 war es soweit: die Firma Ley
präsentierte ihr erstes Fahrzeug, dass "Loreley 6/10PS"
genannt wurde. |

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Auf der Berliner Automobilausstellung 1906 vom 1.-12.
November in der Ausstellungshalle am Zoologischen Garten fand dieser Wagen auch
einige Beachtung. 1906 begann die Serienproduktion als Zwei- und als Viersitzer, dessen
Motor mit dem Getriebe verblockt war. Außer Adler in Frankfurt hatte
kein anderer Automobil- hersteller diese fortschrittliche Neuheit zu bieten.
Entgegen anderslautenden Behauptungen war Lore Ley, die Nichte von Alfred
Ley, nicht die Namenspatronin der Automobilmarke. |
| Vom Modell Loreley 6/10 PS existieren heute wahrscheinlich nur noch
3
Exemplare. Ein Exemplar ist in der Landesgeschäftsstelle Thüringen der BKK Schwenningen
in Arnstadt ausgestellt, ein weiteres Fahrzeug ist im EFA- Museum für
Deutsche Automobilgeschichte in Amerang zu sehen und das
dritte Fahrzeug
in der Farbe blau, ist im
Verkehrszentrum des Deutschen Museums in München
ausgestellt.
Ein Besuch lohnt sich.
| 1908 produzierte Ley als einer der ersten deutschen Hersteller ein
Fahrzeug mit 6 Zylindern, den "Loreley 9/20 PS". Der preiswerte
Wagen mit dem 2,6 Liter-Motor war rasch sehr beliebt, weil der Motor für damalige
Verhältnisse recht robust war. Aber auch die Vierzylindermodelle wurden nicht
vernachlässigt, die verschiedenen Kleinwagen wurden mit Limousinen-, Touren- und
Sportwagenaufbauten angeboten und verkauften sich gut. 1909 wurde die OHG in eine
Aktiegesellschaft umgewandelt mit Alfred Ley als Alleinvorstand. Seine Brüder treten aus
dem Betrieb aus. 1910 platzte die Fabrik, die neben den Automobilen immer noch Maschinen
für die Schuhfabrikation, Elektromotoren und Dynamomaschinen produzierte, aus allen
Nähten. Eine eigene Fabrik für die Automobilproduktion wurde gebaut. Zwei Jahre später
war die Rud. Ley Maschinenfabrik mit 1200 Arbeitern der größte Arbeitgeber in Arnstadt.
Ley unterhielt ein Verkaufsbüro in Berlin am Kurfürstendamm 69 / Ecke Wilmersdorferstr.
und hatte Vertretungen in Dresden, Erfurt, München, Düsseldorf, Frankfurt a. M. und in
Leipzig. Auch der Export konnte sich sehen lassen: Ley-Automobile wurden nicht nur in ganz
Europa ausgeliefert, sondern unter anderem auch nach Marokko, Russland, China, Japan,
Indien, Siam, Australien und Südamerika exportiert. |
Nicht zuletzt wurden die Loreley - Automobile
einem größeren Käuferkreis bekannt, weil sie zahlreiche Erfolge im Motorsport verbuchen
konnten.
Ihre Robustheit und Leistungsfähigkeit stellten die Fahrzeuge unter anderem bei der über
3000 km langen Kaiser - Nikolaus - Tourenfahrt 1910 in Russland unter
Beweis. Die Arnstadter gewannen mit ihren Autos den 1. Preis in der zweiten
Fahrzeugkategorie.
Ebenfalls 1910 gewannen die Loreley - Wagen das Rennen von Moskau nach Nishnij -
Nowgorod.
1912 gewannen die Arnstädter den Kaiserpreis des russischen Zaren
für das Rennen vom 17. - 30.06.1912 über 3100 km von St. Petersburg über Reval -
Riga - Warschau - Kiew nach Moskau. Von den Ley-Fahrzeugen und Ihren Erfolgen
begeistert, legte sich der technikbegeisterte, russische Komponist Sergej
Rachmaninoff eine Vierzylinder-Loreley vom Typ H4A, 8/24 PS zu.
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| 1917, kurz vor Ende des ersten Weltkrieg änderte sich der Fahrzeugname
von "Loreley" in nunmehr nur noch "Ley".
Nach dem Krieg nahmen die Arnstadter die Produktion mit einigen wenigen Vorkriegsmodellen
wieder auf, die jedoch einige technische Verbesserungen erfuhren. In den zwanziger
Jahren wurde das "T6" genannte Modell rasch sehr bekannt.
Anfänglich von einem 16 PS leistenden Vierzylindermotor angetrieben, steigerte sich die
Leistung im "T6E" im Jahre 1922 auf 20 PS. Doch das war Alfred
Ley scheinbar nicht genug. Er beauftragte den Aerodynamikspezialisten Paul Jaray
damit, einen zweisitzigen offenen Sportwagen und eine viersitzige Limousine in
Stromlinienform auf dem Fahrgestell des T6 zu entwickeln - noch im gleichen Jahr wurde der
weltweit erste Stromlinienwagen nach Jaray Patent von Ley produziert.
Leider erwies sich damals die serienmäßige Herstellung als zu teuer, so dass es von
dem Jaray-Ley nur einige wenige Exemplare gab, die auf Ausstellungen und
Sportveranstaltungen für Furore sorgten. Fortan wurden die Karosserien der weiteren
Modelle wieder in konventioneller Manier gefertigt. |
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Ein "Ley M8" aus dem Jahre 1925. Ein hinreißendes Automobil,
dem man seine Solidität schon im Stand ansieht. Der Wagen wurde im August 1991 als
Fahrgestell mit noch funktionstüchtigem Motor angekauft und vom Ley-Förderverein
Arnstadt e.V. 1997 - 1999 vollständig restauriert. Wie man sieht, wurde von
den Restaurierern hervorragende Arbeit geleistet. Heute ist der "M8" im Besitz
des Stadtgeschichtsmuseums von Arnstadt.
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| Ab 1925 begann Ley auch die Fertigung von Lastkraftwagen mit
bis zu 3 Tonnen Nutzlast und bis zu 60 PS starken Sechszylindermotoren. Auch Busse mit 18
bis 22 Sitzplätze waren im Programm. Ein Erfolg wurde der vierzylindrige 2 -
Tonnen - Schnellastwagen U12L-12/45 PS "...mit
Aufbauten für alle gewerblichen Zwecke", der bis 1931 produziert wurde. Aber mit
dem Automobilbau ging es in Arnstadt langsam, aber sicher bergab. Die Fertigungsanlagen
waren veraltet und es wurde immer noch in Handarbeit produziert. Alfred Ley hatte den
Anschluß an die Fließbandfertigung verpasst. Der Konkurrenzdruck der großen Hersteller
wie Opel und Ford war immens. Und dann tauchte am Horizont die Weltwirtschaftskrise auf. |

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Ab 1925 ging die Nachfrage und die Automobilproduktion in Deutschland
Jahr für Jahr immer mehr zurück. Wie soviele andere, konnte das auch die Rud. Ley
Maschinenfabrik AG nicht verkraften. Man war gezwungen, sich zu verkleinern. 1928 wurde
die PKW Produktion leider eingestellt. Während die LKW- und die Omnibusproduktion
noch bis 1933 aufrecht erhalten werden konnte, wurde das am Stadtrand gelegene Werk im Februar 1935 an die Firma Polte verkauft, die dort Rüstungsgüter
produzierte.
Die Maschinen wurden in den innerstädtischen Stammbetrieb in der Wagnergasse gebracht, wo
die Fabrikation von Autoersatzteilen und die Durchführung von Reparaturen noch bis nach
Ende des zweiten Weltkriegs weiterlief, neben den anderen Sparten Schuhmaschinen und
Elektrotechnik.
Alfred Ley wurde im September 1945 von russischem Militär
verschleppt. Er verstarb am 07.12.1945 bei Frankfurt/Oder auf dem Transport in die
Sowjetunion. Erst im Jahr 1997 erreichte seine Tochter die Aufklärung und Rehabilitierung
durch die Generalstaatsanwaltschaft der Russischen Föderation in Moskau.
© Classic-Car-Revue / Heiko Feld
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J. Althaus, Deutschland
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